Der erste Marathon ist der schwerste. Aber der schönste?

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Der schwerste und emotionalste Lauf meines Lebens in der schönsten Stadt Deutschlands – für den Tag auf alle Fälle – ist erledigt. So kurz die Vorbereitung, so groß die Lehren. Ein alter Mann braucht nicht 3 Wochen Vorbereitung sondern 2 Woche Ruhe. Der letzte Lauf war psychologisch richtig, weil er zeigte dass ich es kann, aber es  war körperlich ein definitives Problem. Man könnte diesen Artikel auch überschreiben mit

 

„Von einem der auszog den Marathon zu unterschätzten“, aber ganz trifft es das nicht. Ich hatte einen Heidenrespekt!

Aber von Anfang an.

Pünktlich eingetroffen um noch mal die Stimmung zum Start des 4,x km Rennens zu genießen, blieb nicht mehr viel Zeit noch mal zu Dixie zu schlendern und sich einzureihen in die Meute. Mein Ballonläufer war weit und breit nicht zu sehen.

Ich hatte mir geschworen auf keinen Fall schnell anzugehen, sondern sehr konservativ. Das letzte Lied das mit dem Startschuß gespielt wurde war „Highway to Hell“ von AC/DC. Sehr speziell diese Musikauswahl. Aber wie das so ist, man fühlt sich gut und denkt es wird schon alles gehen und schwupps läuft man die ersten 10 km in einem 5:35 er Schnitt. Viel zu schnell. Die Muskeln vom vergangenen Wochenende meldeten sich zu Wort (Oberschenkel) und das bleiben erhalten, bis andere hinzu kamen und das mein kleinstes Problem wurde. Nach 12 km planmäßig das erste Gel. Und ich hatte schon keine Lust mehr! Die Beine brannten und ich fühlte mich ausgelaugt! Richtig kaputt und das nach einem Viertel der geplanten Strecke. Und immer diese Schilder Kilometer 30 (ja bei der nächsten Runde) Kilometer 31 — auch hier bei der nächsten Runde. Und die Zeit sackte in den Keller und die Lust auch. Plötzlich war die Option nach dem Halben aufzuhören sehr verlockend. Durch den großen Garten, von dem ich nun weiß wie groß er ist, und zwischen durch planmäßig Gels. Und der ständige Blick auf die immer langsamer werdende Zeit. Das Publikum fand ich Klasse und lies es mir nicht nehmen, egal wie scheiße es mir ging, immer auch den Musikanten zu zuwinken und selber zu klatschen. Am Ende von Runde 1 war der Schweinhund da und saß auf meinem Rücken. Durch die Anfeuerung der Zuschauer und der eigenen Mitkommer am Zielabzweig zum Halbmarathon und durch meinen unbändigen Wunsch keinem erklären zu wollen, das ich abgebrochen habe (und das wäre es gewesen), lief ich weiter. Eine Frau, die mit mir zu diesem Zeitpunkt an derselben Stelle war, hatte ich mir als Zugpferd ausgeguckt, denn zu diesem Zeitpunkt war es einfach nur ein ständiges „überholt werden“. Die nette Frau hatte schon den dritten durch sagte nur „Ab hier wird es einsam“ und „Ab jetzt geht es nur mit Zucker“. Ich schielte von Kilometer zu Kilometer auf meine Gels und die Abstände zwischen den Einnahmen wurden kürzer. Ich lief ab Kilometer 25 echt auf der letzten Rille. Und die Strecke streckte sich …wie der Name schon sagt Strecke.. ;-). Aber irgendwann stehen da 30 Kilometer und es gilt nun auch mir. Die Anfeuerungsrufe werden freundlicher und jeder versucht noch irgendetwas Gutes in einem zusehen. Die Ansprachen werden persönlicher und nicht mehr in die Masse gesprochen. Und die Wadenkrämpfe begannen. Erst nur ansatzweise, aber ab Kilometer 32 permanent. Ich musste da schon wiederholt gehen. Der Ballonläufer 4:30 Zielzeit  hatte mich gefunden und zog vorbei. Meine ganze Anstrengung zielte auf Sub 5 (unter 5 Stunden). Und es hatte ein wenig was vom Wandertag. Mit den Krämpfen änderte ich den Laufstil, es ging nicht anders. Möglichst wenig locker aus den Waden, denn das sorgte sofort für Krämpfe, die mich fast stürzen ließen und dafür mit fast steifen Beinen immer in den Hacken und die Zähne zusammen gebissen und Gesicht zur Faust geballt und aufpassen keine Fotografen zu verpassen, um da wenigsten gute Laune zu simulieren. Und es war irgendwann soweit, nur noch 5 Kilometer, nur noch 4 nur noch 3. Der letzte Fotograf kam und ich konnte doch noch mit Laufstil wie Forrest Gump den eine und anderen Überholen, denen der Hammermann noch ärger mitgespielt hatte. Die letzte Brücke nur noch 1,5 Kilometer und da die Läufer nun nur noch mit Abstand kamen, konnten die Sprecher sich auf jeden einzelnen stürzen und ihn begrüßen. Das war dann auch der Zeitpunkt, wo die Augenpipi, die zwischen durch immer mal wieder auf zu kommen drohte doch da war, aber der Wind hat es getrocknet. Die letzten 800 m und die Menschen klatschen und jubeln und der alte Mann heult. Nun noch die Cheerleader überstehen und dann auf die Zielgerade. Der Zieleinlauf. Es ist schon etwas leerer und die einzige Anfeuerung die ich wahrnehme und die ich echt vermisst hätte wenn sie nicht da gewesen wäre, ist die meiner Frau, die sich die Seele aus dem Leib rief. Am Ziel wieder mit persönlicher Begrüßung durch den Moderator und dem Kecken Spruch „Da kommt Thomas K. aus Frankfurt (Oder) und er sieht aus als wäre er nicht 42 sondern mindestens 50 Kilometer gelaufen.“ Ich konnte ihm nur erwidern „100, 100 Kilometer“. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste war, das kurz vorher wieder „Highway to Hell“ gespielt wurde. Und das, wo schon überfällig war.
Und dann war ich durch! Geschafft! Im Ziel schnell viel Trinken Alkoholfreies Bier, Cola, Iso irgendwas und Banane. Ich war angekommen. Höllisch kaputt, aber angekommen und so dermaßen froh, dass ich in diesem Augenblick meine Frau dabei hatte, das kann sich keiner vorstellen. Und gerade die, die um die besondere Situation wissen, können es bewerten 😉 Und so war dann an diesem Tag alles irgendwie perfekt. Nach dem Marathon noch Medaille gravieren lassen, Urkunde drucken und mit einem üblen Krampf auf den Boden schmeißen. Danach zur Massage! „Only for Marathon“….ich konnte fast schon wieder heulen, naja emotionaler Ausnahmezustand.

Es war nun vorbei. Nun nach Hause fahren, den Freunden auf FB und G+ Bescheid geben und dann die Beine hoch.

Stolz es in 4:44 geschafft zu haben und sich gleichzeitig zu fragen WARUM tun sich halbwegs intelligente Menschen sowas an…..

 

urkunde

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2 Gedanken zu „Der erste Marathon ist der schwerste. Aber der schönste?

  1. Hi Marathoni!
    erst einmal Gratulation zu deinem ersten Marathon, hoffe die Freude möge noch lange anhalten, das gilt natürlich nicht für die Schmerzen.
    Deinen Bericht habe ich mit großem Respekt gelesen, zum einen, das du es nach so kurzer Vorbereitungszeit doch so durchgezogen hast und das du die mentale Stärke aufbringen konntest trotz all der Schmerzen und dem Hammermann diesen Lauf durch zu stehen, ich glaube ich hätte das nicht geschafft, dazu kommt, du bist ja ein guter und schneller Läufer, sehr gut durchtrainiert, da wird mir ganz anders wenn ich da an mein kommendes Debüt im Frühling ’14 denke, aber ist ja auch noch hin! Zudem einen ganz ähnlichen Bericht habe ich von einem Bekannten Läufer nach dem Frankfurt/M Marathon gelesen, OK er war mit 3:45h etwas schneller aber der Inhalt spiegelt sich fast.
    Aber was solls, eine gewisse Vorahnung hattest du ja schon und vor allem hast du ja auch kein halbes Jahr Vorbereitungszeit und von daher ziehe ich meinen größten Hut vor deiner grandiosen Leistung!
    Und wie es so schön heißt, nach dem Marathon ist vor …

  2. Pingback: Danach – oder wie ich meinen ersten richtigen Marathon überstand | Gedanken zur Lauferei

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